A

Übersicht nach Zielgruppen

A

Übersicht nach Themen

Ich bin
Kunde!

Wissenswertes und Kontakte
fĂŒr alle Kundengruppen!

Ich mache
Karriere!

FĂŒr alle Newcomer, Quereinsteiger
oder mein Comeback!

» Start  |  » Aktuelles  |   » Termine  |  » Rundschreiben  |  » SHK-Wissenswelt  |  » Presse  |  » Shop  |  » Impressum  |  » DatenschutzerklÀrung  |  » AGB

1. Januar 2022

Stetes Auf und Ab: Die Suche nach FachkrÀften und Berufsnachwuchs in den letzten Jahrzehnten

Die Suche nach FachkrĂ€ften ist zu Beginn der 2020er-Jahre eines der prĂ€genden Themen der deutschen Arbeitgeber. Auch SHK-Betriebe sind davor nicht gefeit, trotz außergewöhnlich guter Ausbildungsentwicklung. Doch das Problem ist nicht neu, wie der Blick in die Verbandschroniken zeigt. Und die Branche hat in der Vergangenheit mit Kampagnen immer wieder erfolgreich dagegen gesteuert.

Die Zahl der ErwerbstÀtigen in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten fast kontinuierlich gestiegen. Ende 2022 gab es rund 46 Millionen ErwerbstÀtige. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig BeschÀftigten lag 2022 mit 34,4 Millionen auf einem Rekordwert.

Gleichzeitig lĂ€hmt jedoch der Mangel an qualifizierten ArbeitskrĂ€ften die deutsche Wirtschaft zunehmend. Besonders betroffen vom FachkrĂ€fteproblem sind nach Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Berufe in den Bereichen Sozialarbeit, Erziehung und Pflege. Zudem fehle viel Personal im Handwerk und bei IT-Experten. Doch das Problem geht weit ĂŒber die als „Problemberufe“ diagnostizierten Branchen hinaus und hat verschiedene GrĂŒnde, die den Widerspruch zumindest teilweise erklĂ€ren.

Die vermutlich wichtigste Ursache ist der demographische Wandel, das heißt, das Ausscheiden der geburtenstarken JahrgĂ€nge aus dem Erwerbsleben. Ferner werden GrĂŒnde wie ein steigender Anteil von ErwerbstĂ€tigen in TeilzeitbeschĂ€ftigung, ein spĂ€terer Eintritt ins Erwerbsleben und die individuelle Neubewertung von Privat- und Arbeitsleben – Stichwort Work-Life-Balance – als Ursachen diagnostiziert.

Nathanael Liebergeld war als Weltmeister im Beruf Anlagenmechaniker SHK erster „Influencer“ zum Auftakt von „Zeit zu starten“.

Nachwuchswerbemotiv 2004 war der „Ich hab’s drauf!“-Skater

Auch das Handwerk und die vier vom Fachverband reprÀsentierten Gewerke können sich von dieser gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nicht abkoppeln. Und doch ist die Situation vor allem im SHK-Handwerk anders zu bewerten. Hier konnten entgegen dem allgemeinen Trend aufgrund der AttraktivitÀt des Berufs in den vergangenen Jahrzehnten die Ausbildungszahlen so gesteigert werden wie in kaum einem anderen Beruf.

Zugleich war die FachkrĂ€fteentwicklung laut Statistischem Landesamt im vergangenen Jahrzehnt stets positiv, was bedeutet, dass das SHK-Handwerk die ausscheidenden FachkrĂ€fte nicht nur ersetzen, sondern die Mitarbeiterzahl sogar steigern konnte: von rund 45.000 im Jahr 2012 auf deutlich ĂŒber 50.000. Das entspricht rund 11 Prozent und damit so gar nicht dem gefĂŒhlten „FachkrĂ€ftemangel“.

Dennoch ist das Jammern ĂŒber fehlende FachkrĂ€fte nicht zu ĂŒberhören. Das liegt hauptsĂ€chlich daran, dass die Branchenaufgaben im Zuge der Energiewende enorm wachsen.

Aktion 2011: „Volles Rohr Zukunft“

 

FachkrÀftemangel gab es immer mal wieder

Dabei ist das Thema FachkrĂ€ftemangel nicht neu. Schaut man in die erste Verbandschronik, wird bereits im Jahr 1947 von einem „Problem des FachkrĂ€ftemangels“ berichtet. Kein Wunder, war das Land doch ausgebombt und Millionen von HĂ€user mussten wieder neu aufgebaut, mit Wasserleitungen, sanitĂ€ren Anlagen und Heizungen ausgestattet werden.

Entsprechend groß war die Nachfrage, diese Aufgaben in möglichst kurzer Zeit anzugehen. Und die Branche hat geliefert und war wichtiger Bestandteil des Wiederaufbaus unseres Wirtschaftswunderlands.

Wer jedoch glaubt, das Problem mit den FachkrĂ€ften sei mit dem Wiederaufbau damals gelöst gewesen, wird sich wundern. Verfolgt man die Verbandschroniken der folgenden Jahre finden sich in Wellenbewegungen immer wieder Klagen ĂŒber fehlende FachkrĂ€fte, mal mehr und mal weniger ausgeprĂ€gt.

Der Verband, die Innungen und die Betriebe haben immer wieder aktiv auf den Mangel reagiert, sei es mit klassischen Instrumenten der Nachwuchsgewinnung, mit geĂ€nderten Arbeitszeiten oder auch mit der Anpassung der AusbildungsvergĂŒtungen sowie der Löhne und GehĂ€lter.

Am Geld allein, und das ist heute noch so, hat es dabei nicht gelegen. Im Jahr 2006 bescheinigte das Statistische Landesamt den Gas- und Wasserinstallateuren sowie den Zentralheizungs- und LĂŒftungsbauern die höchsten Löhne im Handwerk. Bis heute hat sich daran nicht viel geĂ€ndert.

Noch immer liegt das SHK-Handwerk mit seinem Lohnniveau mit an der Spitze. Apropos Spitze: auch bei der AttraktivitÀt und den Zukunftsaussichten steht das SHK-Handwerk ganz vorne und bietet attraktive, (zukunfts)sichere ArbeitsplÀtze.

Auch die Handwerkskampagne des ZDH bietet RĂŒckenwind in Form individualisierbarer Motive fĂŒr die Nachwuchsgewinnung
der Betriebe.

Workstory der Schwestern Franzi und Elena Dangel von der Dangel-Metall GmbH, einem Klempner-Innungsfachbetrieb aus Lenningen. Bild: Zeit zu starten/YouTube

Verbandsaufgabe: Hilfe bei der Nachwuchswerbung

Eigene UnterstĂŒtzung des Fachverbands im Bereich der Nachwuchswerbung findet sich in der Chronik erstmalig 1970. Offensichtlich mit Erfolg, denn schon 1973 wird berichtet, die Zahl der Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr habe sich seit 1970 auf 1.531 verdoppelt.

Die erste Nachwuchswerbung im Rundfunk wurde 1981 gesendet. 1984 freute man sich ĂŒber insgesamt 8.169 Lehrlinge in allen vier Ausbildungsjahren – ein Rekordstand! Doch bei diesen Höchstwerten blieb es leider nicht. Knapp zehn Jahre spĂ€ter, 1992, wurden landesweit nur noch 4.267 Lehrlinge ausgebildet. Den Tiefstwerten folgte wieder ein Wachstum. Neue Radiospots wurden geschaltet und weitere Kampagnen entwickelt.

Verschiedene Kampagnen am Puls der Zeit

Der Berufekompass war ein Medium, das den Jugendlichen Orientierung geben sollte. 2004 folgte in Baden-WĂŒrttemberg die Kampagne „Ich hab‘s drauf“ mit einem Skater, der die Jugendlichen emotional ansprechen sollte. 2011 gelang es erstmals, eine gemeinsame bundesweite Ausbildungskampagne auf die Beine zu stellen, die im Comic-Look Aufmerksamkeit erregte. „Volles Rohr Zukunft“ prangte auf den neuen großflĂ€chigen Plakaten, StellwĂ€nden und Rollups, die die Innungen und Betriebe auf Ausbildungsmessen mitnehmen konnten. Erstmals gab es auch eine eigene Internetseite www.vollesrohrzukunft.de.

Wer diese URL heute eingibt, wird auf die aktuelle Nachwuchskampagne „Zeit zu Starten“ weitergeleitet, die mit diesem Claim und dem entsprechenden Logo erstmals bei der IFH/Intherm 2016 prĂ€sentiert wurde. Neu war dabei sicherlich die Herangehensweise: Vorurteile sollten abgebaut werden durch Kommunikation auf Augenhöhe und authentische Einblicke in die Berufsbilder, vor allem durch Statements echter Azubis.

Gesicht und AushĂ€ngeschild der Kampagne war zunĂ€chst Nathanael Liebergeld, der 2015 bei den WorldSkills in Brasilien Weltmeister der Installateure geworden war. Neu war darĂŒber hinaus die Nutzung sozialer Medien wie Instagram und Facebook, um die Jugendlichen anzusprechen, als auch der Weg, ĂŒber digitales Advertising sichtbarer zu werden.

Bis es jedoch zu einer einheitlichen Bundeskampagne kam, waren einige dicke Bretter in der Verbandslandschaft zu bohren. Um die Schlagkraft der Branche bundesweit zu erhöhen, verzichteten die verschiedenen LandesverbĂ€nde nĂ€mlich auf ihre zahlreichen eigenen und teils sehr erfolgreichen Kampagnen. Bei aller regionalen IndividualitĂ€t: die Ansprache von Jugendlichen in Kiel, DĂŒsseldorf, Passau oder Freiburg unterscheidet sich nicht so sehr. Entsprechend machte es Sinn, Ressourcen und Knowhow zu bĂŒndeln.

Auch die Einbindung der Branche, von der Industrie bis zum Großhandel, wurde vorangetrieben. Denn es half nicht, auf das Handwerk als sogenannten „Flaschenhals“ zu zeigen, es baue nicht ausreichend Produkte ein, gleichzeitig aber auf dessen personelle Ressourcen fĂŒr die eigenen Interessen zurĂŒckgreifen zu wollen. Dass es bei dieser Gemengelage nicht immer einfach war und noch ist, die Interessen zu bĂŒndeln und Maßnahmen abzustimmen, liegt in der Natur der Sache.

Heute hat sich die Kampagne „Zeit zu Starten“ unter dem Hashtag #Wirsindrelevant deutlich in Richtung Klimaschutzthematiken entwickelt, nicht zuletzt aufgrund des intensiven Einsatzes des Fachverbandes SHK Baden-WĂŒrttemberg, der den Aspekt schon Anfang des Jahrzehnts in seine regionale Ausgestaltung aufgenommen hatte.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Lehrlinge in den vier Gewerken wieder deutlich auf ĂŒber 5.000 gestiegen. Seit 2012 ist das ein Anstieg von rund 1.100 Lehrlingen oder 28 Prozent. Die Kampagnen können dabei unterstĂŒtzen, maßgeblich zu der Entwicklung beigetragen haben jedoch die Innungen und Betriebe, die unter nicht immer einfachen Bedingungen AusbildungsplĂ€tze anbieten und Jugendliche erfolgreich ausbilden.

UnterstĂŒtzung bietet der Fachverband dabei auch mit seiner Fachgemeinschaft TOP-Ausbilder, die fĂŒr besonders engagierte Betriebe seit 2015 eine noch bessere QualitĂ€t der Ausbildung im Blick hat.

Die Graphik zeigt eindrucksvoll die Wellenbewegungen in den Ausbildungszahlen. In den Jahren vor 1978 sind nur Zahlen zum ersten Ausbildungsjahr dokumentiert. Hochrechnungen zufolge lag die Zahl Anfang der siebziger Jahre noch bei rund dreitausend, 1975 dann bereits deutlich ĂŒber viertausend.

Nachhaltige FachkrÀfteentwicklung

FĂŒr die Zukunft gilt es nun, den Finger weiter am Puls der Zeit zu haben und ein Ohr fĂŒr die Belange und Interessen der Jugendlichen. Dem SHK-Handwerk werden sehr gute Zukunftsaussichten vorhergesagt und die moderne GebĂ€udetechnik mit dem Ein- und Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere klimaneutraler Heizungen, trifft den Nerv vieler.

Gleichzeitig muss sich aber in den Köpfen der Menschen auch die Wertigkeit des Handwerks festsetzen, die Gesellschaft sich ihrer wiedergefundenen Erfolgsbranche gewahr werden. „Ohne Handwerker keine Energiewende“ – das hat auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks deutlich gemacht, der seit Jahren mit seiner aufmerksamkeitsstarken Kampagne „Das Handwerk – Die Wirtschaftsmacht von nebenan“ fĂŒr mehr Sichtbarkeit sorgt.

Eben diese Verstetigung kann auch in Sachen ArbeitskrĂ€fte ein Erfolgsfaktor sein. Aus der Vergangenheit hat man gelernt, dass es sinnvoll ist, in Bezug auf FachkrĂ€fte und Berufsnachwuchs langfristig zu denken. Also nachhaltig, auch im Sinne der Mitarbeiter. Statt großer ZuwĂ€chse und ebenso großer RĂŒckgĂ€nge wĂ€re eine Verstetigung der Wachstumszahlen die bessere Lösung – fĂŒr die jungen Menschen, die Betriebe, die Schulen und fĂŒr die Gesellschaft.

Beim Morgenmacher-Festival 2019 im Rahmen der Stuttgarter Herbstmessen engagierten sich vier baden-wĂŒrttembergische Innungen, um Jugendliche fĂŒr die vier Ausbildungsberufe zu begeistern.

Autor

Wolfgang Becker
HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer
Fachverband SHK Baden-WĂŒrttemberg

In meiner Merkliste speichern

Von meiner Merkliste entfernen

Inhalt teilen!
Sie können den Link zur Seite versenden

Artikel im selben Zeitraum

    In meiner Merkliste speichern

    Von meiner Merkliste entfernen

    Inhalt teilen!
    Sie können den Link zur Seite versenden