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1. Januar 2022

Deutschland im Jahr der Zeitenwende 2022 – eine unvollständige Bestandsaufnahme

Wenn in der Zukunft nachfolgende Generationen diese Jubiläumsfestschrift in die Hand nehmen, werden sie versuchen, die verschiedenen Beiträge in die Zeit einzuordnen. Manches Prägende wird in Vergessenheit geraten sein, so wie schon jetzt die schwierigen drei Coronajahre langsam in der Erinnerung verblassen. Eine grobe Bestandsaufnahme Deutschlands 2022 – allgemein und natürlich im Speziellen mit Blick auf die SHK-Branche – soll bei der Einordnung helfen.

Deutschland im Jubiläumsjahr 2022. Das war ein Jahr, welches noch mitten in der Coronapandemie begann. Diese hatte die gesamte Gesellschaft seit Jahresbeginn 2020 in Atem gehalten. Inzidenzen waren der Maßstab gesellschaftlichen Lebens. Zwei Jahre in Folge musste der Verbandstag, traditionell einer der gesellschaftlichen Höhepunkte des Verbandslebens, abgesagt werden und noch im Frühjahr stand in den Sternen, ob im Juli der Jubiläumsverbandstag 2022 stattfinden können würde.

Am Gründungsdatum des Verbandes, dem 18. März, war im Gründungslokal Gasthof Rössle in Weinstadt-Endersbach eine kleine Jubiläumsveranstaltung geplant, die aufgrund der großen Coronaeinschränkungen und -risiken abgesagt werden musste.

Corona bringt einen Digitalisierungsschub und legt Defizite offen

Die Coronapandemie hat viele Defizite des Landes offengelegt: fehlende Digitalisierung, nicht nur in der Gesundheitsverwaltung, Bürokratie, ein Schulsystem, welches in vielen Bereichen kaum mehr zukunftsfähig zu sein scheint. Homeschooling war nur in wenigen Schulen ein Erfolgsmodell. Andererseits haben Ansätze auch Mut gemacht, wenn man sah, wie schnell viele Firmen und öffentliche Verwaltungen in der Lage waren, mehr oder weniger von heute auf morgen zu fast 100 Prozent ins Homeoffice zu wechseln.

Homeoffice war den meisten Handwerkern nicht vergönnt. Im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen – wie in der Hotellerie und Gastronomie, in der Kultur- und Veranstaltungsbranche, Friseure und andere – waren die Betriebe aus dem SHK-Handwerk vergleichsweise nur wenigen Einschränkungen unterworfen. Im Gegenteil, die Pandemie gab Teilen der SHK-Branche sogar einen Nachfrageimpuls. Die Menschen verbrachten im Homeoffice mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden und wollten diese daher schön gestalten. Neue Bäder und Gästetoiletten gaben den Sanitärbetrieben einen großen Schub, Heizungen und Kaminöfen waren dank Klimaschutzzielen und üppiger staatlicher Förderung ohnehin gefragt, so dass die Auftragslage im Jahr 2022 auf ein historisches Hoch von rund 17 Wochen stieg.

Weiter gestiegen sind auch die Fachkräfte- und Ausbildungszahlen – gegen den allgemeinen Trend. Und dennoch war die Frage nach Fachkräften in vielen Diskussionen um das SHK-Handwerk dominant. Es gibt keinen Fachkräftemangel im klassischen Sinne, sondern eine außerordentliche Nachfrage, die kurzfristig schwer zu bedienen ist, war die Antwort des Fachverbandes auf diesen Widerspruch.

Zeitenwende, Krieg und Energiekrise

Im Februar schwenkte der Fokus von der Bewältigung der Coronakrise auf den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Die im Dezember 2021 neuformierte erste Ampelregierung in Deutschland, bestehend aus SPD, Grünen und FDP, stand vor einer neuen Herausforderung, die bis dato keiner auf dem Schirm gehabt hatte. Die Welt wurde erschüttert von etwas, was nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes niemand mehr erwartet hatte: Krieg in Europa. Bundeskanzler Olaf Scholz rief wenige Tage später in einer Regierungserklärung die Zeitenwende aus. Der Begriff wurde zunächst verbunden mit der Neuorientierung des Landes hinsichtlich seiner eigenen Verteidigungsfähigkeit. Doch schnell wurde deutlich, dass vieles nicht so bleiben durfte wie es war, wenn das Land sich seine Zukunftsfähigkeit erhalten wollte.

Das „Geschäftsmodell“ des Landes beruhte auf billigem russischem Gas

Im Laufe des Jahres 2022 wurde deutlich, dass vor allem durch die Lieferung billigen Gases aus Russland eine ungesunde Abhängigkeit Deutschlands entstanden war. Das Geschäftsmodell des Landes begann zu wackeln. Entsprechend war das Jahr geprägt von der Angst, im Winter ohne ausreichend Gas dazustehen mit den zu erwartenden Folgen für die Beheizung von Gebäuden und für die Wirtschaft.

Die SHK-Branche war nun so gefragt wie selten. Als kompetenter Ansprechpartner zur Optimierung von Heizungsanlagen und zu allen Themen rund um das Energiesparen. Der Fachverband war ganz vorne mit dabei, nämlich auf den Marktplätzen der Städte in Baden-Württemberg mit der Energiesparkampagne CleverLänd der Landesregierung. Und in der Folge auch als Umsetzer der Energiewende, denn die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern Gas und Öl sollte reduziert werden.

So bedrohlich die Auswirkungen des Krieges in allen Facetten auch waren, die noch größere Bedrohung des Planeten wurde von weiten Teilen der Welt in der Erderwärmung und dem vom Menschen gemachten Klimawandel wahrgenommen. Die weltweite Reduzierung des Ausstoßes von CO₂ in allen Bereichen des Lebens war die Maxime, der sich die Welt nicht erst seit der Weltklimakonferenz 2015 in Paris verpflichtet sah.

Neue Heizungswelt nur noch mit 65 Prozent Erneuerbarer Energie

Die Bundesregierung und hier speziell das vom Grünen-Minister Robert Habeck geführte Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz leitete nach und nach die Umsetzung ihrer bereits im Koalitionsvertrag fixierten Klimapolitik ein. Die Förderung von Heizungsanlagen wurde, zum großen Ärger der SHK-Betriebe, abrupt weitgehend auf Wärmepumpen reduziert.

Im Laufe des Jahres wurde an der Ausgestaltung des Gebäudeenergiegesetzes gearbeitet mit dem Ziel, dass ab 2024 nur noch neue Heizungen eingebaut werden, die mindestens 65 Prozent Erneuerbare Energie beinhalten. Das Gesetz sollte der Kern für die Umgestaltung des Energieverbrauchs im Gebäude werden und ob der großen Lücke zwischen theoretisch Notwendigem und praktisch Machbarem noch für manchen Ärger sorgen.

Die Wärmepumpe – vom Nischenprodukt zum neuen Heizungsstar

Symbolisch für die neue Beheizungsform von Gebäuden stand die Wärmepumpe, die bis dato in Deutschland mit rund 1,2 Millionen Geräten im Bestand ein Nischendasein von rund fünf Prozent geführt hatte. Zwei Wärmepumpengipfel sollten hier Abhilfe schaffen und der Einbau neuer Wärmepumpen von 154.000 im Jahr 2021 auf 500.000 bereits im Jahr 2024 hochgefahren werden.

Und tatsächlich wurden bereits 2022 236.000 Wärmepumpen eingebaut, eine Steigerung von 53 Prozent. Ohne die großen Materialengpässe, das überragende Problem der SHK-Betriebe im Jahr 2022 nicht nur bei Wärmepumpen, hätten die Betriebe sicherlich noch größere Einbaumengen geschafft.

Schmerzhafte Transformation mit großen Chancen

Neben den teilweise sehr dramatischen Auswirkungen für die Bürger hatte die Klimaschutzpolitik auch große Auswirkungen auf das SHK-Handwerk. Aus Experten für Gas- und Ölheizungen, rund 75 Prozent des Heizungsbestandes im Land, sollten innerhalb von Monaten Wärmepumpenprofis werden.

Hier fehlte der Politik trotz regelmäßiger Hinweise des Fachverbandes auf breiter Linie weitgehend das Verständnis, dass diese Veränderungen einen Transformationsprozess mit sich bringen würden, wie er seinesgleichen sucht. Der Fachverband selbst hatte die Zeichen der Zeit sehr frühzeitig erkannt und schon im Jahr 2021 in der Mitgliederversammlung einstimmig ein „Strategiepapier Klimaschutz“ verabschiedet, welches die zu erwartenden Veränderungen auf regulatorischer Ebene vorhersah.

Entsprechend warb der Verband bei Mitgliedern, Innungen und auch Dachorganisationen, sich frühzeitig auf die Veränderungen einzustellen. Wer die Rundschreiben gelesen hatte und die entsprechenden Vorträge ernst nahm, wurde durch die neue Politik nicht überrascht. Mit eigenen Wärmepumpenschulungen bot die SHK-Berufsorganisation ihren Mitgliedern bereits 2021 die Möglichkeit, sich das notwendige Rüstzeug anzueignen.

Auch wenn im Laufe des Jahres 2022 die Nachfrage deutlich stieg, stand das SHK-Handwerk selbst zum Jahresende 2022 erst am Beginn des notwendigen Transformationsprozesses.

Zeitenwende also auch im SHK-Handwerk!

Dass darin große Chancen liegen, so schmerzhaft der Wandel auch ist, sieht die große Mehrheit der SHK-Betriebe. Millionen von Gebäuden müssen in den kommenden Jahrzehnten saniert werden und das SHK-Handwerk wird hier eine wichtige Rolle spielen, da es für die Installation und Wartung von Heizungsanlagen, Wärmepumpen und anderen energieeffizienten Systemen verantwortlich ist.

Kaum ein Handwerksbereich hat derart gute Zukunftsaussichten wie das SHK-Handwerk. Entsprechend optimistisch war zum Jahresende 2022 trotz der geschilderten Entwicklungen der Blick auf die kommenden 25 Jahre.

Autor

Wolfgang Becker
Hauptgeschäftsführer
Fachverband SHK Baden-Württemberg

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