Der SHK-Betrieb im Jahr 2047 – Wie werden wir in 25 Jahren arbeiten?
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Wir wagen einen Blick in die Zukunft – Wie sieht die SHK-Branche im Jahr 2047 aus? Lassen Sie sich zum Nach- und Weiterdenken anregen, wie sich Betriebsinhaber und SHK-Handwerker aufstellen müssen.
Da wir selbst in alltäglichen Fragen nicht wissen, was der nächste Tag bringt, erscheint ein Ausblick auf die Entwicklungen der SHK-Branche im Jahr 2047 gewagt. Trotzdem lohnt sich der Blick in die mögliche Zukunft der SHK-Branche, denn nur durch die aktive Beschäftigung mit der Zukunft eröffnen sich Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten im Hier und Jetzt.
Den einen Standard-SHK-Betrieb gibt es nicht, aber viele Betriebe setzen sich aus den gleichen Teilbereichen zusammen (siehe Schaubild auf Seite 120). Für jeden dieser Bereiche werden sich in den kommenden 25 Jahren
Beratung und Planung
Fossile Energieträger werden im Jahr 2047 faktisch keine Rolle mehr spielen, das hat Folgen für das Produktportfolio; insbesondere im Heizungsbereich. Neben Nah- und Fernwärmenetzen, werden vor allem Wärmepumpen sowie Brennstoffzellen die maßgeblichen Wärmeerzeuger in Deutschland darstellen, bis auf einen kleinen Anteil an Holzheizsystemen. Aufgrund der allgemeinen Klimaveränderungen gewinnen zeitgleich Geschäftsfelder wie die Klimatisierung und Belüftung von Gebäuden an Bedeutung. Im Sanitärbereich werden Themen wie „Hygiene“, „Nachhaltigkeit“ und „Gesundheit“ wichtiger.
Der Beratungsbedarf für die Betriebe gegenüber den Endkunden nimmt wegen der steigenden Systemkomplexität weiter zu und erfordert ein hohes Maß an Systemkompetenz. Der über diverse Onlinekanäle „vorinformierte“ Kunde ist zum Regelfall geworden. Das fachliche Spezialwissen sowie die qualifizierte Vorauswahl im unübersichtlichen Produkt-Dschungel muss jedoch mehr denn je vom SHK-Fachbetrieb kommen.
Im Bereich der Planung werden dreidimensionale Planungsmodelle (Building-Information-Modeling, kurz BIM) sowohl bei Großprojekten als auch im privaten Wohnungsbau deutlich an Bedeutung gewinnen. Die nötigen Fähigkeiten im Umgang mit den entsprechenden BIM-Systemen seitens der Handwerksbetriebe werden somit zwingend erforderlich.
Montage
Sowohl vor als auch hinter der Wand wird stark standardisiert. In diesem Zusammenhang werden verstärkt Fertigmodule und Baukastensysteme verwendet. Plug & Play-Bauteile werden die Norm. Dank des erhöhten Vorfertigungsgrades im Betrieb und bei den Lieferanten verkürzen sich die Durchlaufzeiten auf den Baustellen spürbar.
Durch diese Entwicklung können Tätigkeiten im „First-Level“, also die vor Ort montierenden Tätigkeiten, zumindest in Teilbereichen auch mit weniger qualifizierten Kräften abgedeckt werden. Das „Second-Level“ in den Bereichen Planung, Bauleitung, Koordination, Zusatzservices usw. im Hintergrund muss hingegen mit mehr hochqualifizierten Spezialisten ausgestattet werden.
Generell zeichnet sich eine verstärkte Spezialisierung der Betriebe ab. Das bedeutet, dass die Sortimentsbreite tendenziell verkleinert, die Sortimentstiefe und das sortimentsspezifische Knowhow hingegen ausgeweitet wird.
Der Einsatz von „Augmented Reality“, in Form konkreter Handlungsanleitungen zur Installation und Fehlerbehebung, durch den Einsatz von mobilen Endgeräten mit integrierter Kameratechnologie oder Datenbrillen, erleichtert Montage wie Wartung erheblich und ermöglicht den verstärkten Einsatz geringer qualifizierter Mitarbeiter.
Die physische Belastung bei der Montage wird zukünftig durch den verbreiteten Einsatz von Exoskeletten und Cobots (Roboter, die für die direkte Zusammenarbeit mit Menschen eingesetzt werden können) deutlich reduziert und damit die Möglichkeit geschaffen, trotz gestiegener Lebensarbeitszeiten, langfristig produktiv in der SHK-Branche zu arbeiten.
Neue Produkte und Services
Zusätzliche Dienstleistungen wie z. B. die Fernüberwachung der Haustechnik, Contractingangebote, Finanzierungsmodelle usw. werden vom Kunden als Standardleistung erwartet und haben sich im Markt flächendeckend durchgesetzt.
Auch im Sanitärsektor werden die Produkte smart, Toiletten können beispielsweise automatisch Gesundheitsdaten ermitteln. Darüber hinaus werden auch nicht originäre SHK-Produkte wie Smart-Home-Systeme, Konnektivitätslösungen, Energiespeicher, Klimasysteme, aber auch Services wie Nebenkostenabrechnung, Hausverwaltung oder Hausmeistertätigkeiten, fester Bestandteil des Angebotsspektrums der SHK-Betriebe.
Da die Produkte insgesamt weniger wartungsintensiv werden, gewinnt die Notwendigkeit zur Kundenbindung über neue Serviceangebote deutlich an Bedeutung.
Diese Entwicklung bedingt zwangsläufig, dass mehr Spezialisten im Back-Office benötigt werden, was über höhere Verrechnungssätze im produktiven Bereich und durch eine adäquate Bepreisung der diversen Serviceleistungen unter Vollkostenaspekten kompensiert werden muss.
Insbesondere aufgrund der zunehmenden Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen sowie der vollständigen Verzahnung von Heiz-, Kühl- und Elektrotechnik werden die ehemals getrennten Berufsbilder „SHK“, „Elektro“ und „Klimatechnik“ eng miteinander verzahnt sein. Dies drückt sich beispielsweise in einem gemeinsamen Berufsbild aus, das je nach Hauptgewerk lediglich mit ausgewählten Themenschwerpunkten ausgestaltet sein wird.
Ebenso werden vom „Anlagenmechaniker“ oder „Gebäudesystemtechniker“ der Zukunft auch IT-Kenntnisse im Hinblick auf die Integration und Vernetzung der Komponenten und mobilen Anwendungen mit den bestehenden IT-Systemen des Kunden vorausgesetzt.
Generell wird seitens der Verbraucher der Fokus weniger auf dem „Besitzen“ als vielmehr auf dem „Nutzen“ diverser Gebäudetechniksysteme liegen. Anstelle des klassischen Kaufs werden Abo-Modelle mit Full-Service-Garantie daher eine wesentliche Rolle im Vertrieb spielen.
Aus- / Weiterbildung
Deutlich gestiegene Anforderungen in den Bereichen „Hydraulik“, „Regelung“, „Elektro“, „Power to Heat“, „Stromspeicherung“, „Smart-Home“ sowie „Kälte-/Klimatechnik“ und „IT“, erfordern speziell bei den älteren Mitarbeitern Zusatzqualifikationen in erheblichem Umfang, während diese Bereiche bei den jüngeren Mitarbeitern bereits Bestandteil von deren Ausbildung sein werden. Eine Aus- und Weiterbildung in fossilen Energiesystemen wird nicht mehr Teil der beruflichen Bildung sein.
Die permanente interne sowie externe Weiterqualifizierung aller Mitarbeiter ist zur Grundvoraussetzung für den betrieblichen Erfolg geworden. Darüber hinaus ist der Zukauf von Fremdleistungen für Spezialbereiche (Experten-Know-how) an der Tagesordnung, da nicht jeder Betrieb für sämtliche Spezialfälle eigene Experten vorhalten kann. Dies kann entweder in Form enger Hersteller-Kooperationen oder im Verbund mit Kollegenbetrieben gewährleistet werden.
Im Bereich der Schulung kommen überwiegend Webinare bzw. Onlineseminare zum Einsatz. Darüber hinaus wird dem herstellergesteuerten „Training on the Job“ z. B. unter Einsatz von Datenbrillen an den konkreten Anlagen eine maßgebliche Bedeutung zukommen.
Nicht zuletzt aufgrund des raschen technologischen Fortschritts wird der Erwerb von „Lizenzen auf Zeit“ zur Sicherstellung der zunehmenden Qualifikationsanforderungen zum Regelfall. Dies bedeutet, dass in vielen Bereichen wie z. B. auch im Hinblick auf die Meisterausbildung in regelmäßigen Abständen Nachqualifizierungen notwendig werden, um mit den technischen Entwicklungen und Veränderungen Schritt halten zu können.
LEER
Bereits Gegenwart und schon Zukunft – Utopie und Vision zum SHK-Betrieb im Jahr...
- Der SHK-ler der Zukunft fährt mit seinem Elektro- oder Brennstoffzellenfahrzeug in den Betrieb – oder vielleicht muss er das auch gar nicht mehr, weil seine Schaltzentrale Zuhause ist. Er tippt auf sein transparentes Display, das im Raum hängt, oder nutzt die Sprachsteuerung, um die ersten Vorgänge zu bearbeiten.
- Das Team bekommt seine Aufträge des Tages auf digitale Endgeräte ausgespielt und regelt diese entweder smart gesteuert oder entsendet Multicopter oder Roboter, welche die Situation vor Ort erfassen und möglichweise schon bereinigen können.
- Tatsächlich fährt der Handwerker selbst nur noch bei aufwändigen Projekten und Problemen zum Kunden. Hier unterstützen ihn Augmented-Reality-Datenbrillen, Exoskelette und Roboter.
- Ersatzteile liefert der 3D-Drucker, im anderen Fall haben Hersteller und Großhandel den Defekt oder Bedarf bereits gemeldet bekommen – die digitale Vernetzung spart Zeit und minimiert Fehler.
- Kundenanfragen und Angebote regelt der Chatbot dank künstlicher Intelligenz.
- Tobias Bühner zeichnet in seinem Beitrag „Die Digitalisierung als ein stetiger Treiber der Veränderung im Verband“ (S. 106) bereits ein Bild von einem digitalen Verband im Jahr 2047. Demnach werden nicht einzelne Betriebe, sondern „Wärme- und Stromkompetenzzentren“ die Versorgung der Menschen mit Energie, Wärme und Wasser quartierweise regeln.
- Hingegen sieht Albrecht Oesterle in seinem Beitrag „Der SHK-Betrieb im Jahr 2047 – Wie werden wir in 25 Jahren arbeiten?“ (S. 118) durchaus noch Handwerksunternehmen am Markt, die aber vollkommen
anders aufgestellt sein werden als die heutigen. Andere unken gar, Verbraucher kaufen entsprechende Leistungen zukünftig bei Amazon oder beim dann existierenden Aldi-Lidl-Penny-Discounter. - Wer weiß? Wir können die Zukunft nicht vorhersehen, wollen Sie aber dazu anregen, sich mit möglichen Szenarien auseinander zusetzen, Ihr eigenes Urteil zu bilden und Ihre Strategie entsprechend anzupassen.
Kooperationen
Aufgrund der zunehmenden Systemkomplexität und Dienstleistungsverbreiterung ist eine professionelle Abdeckung aller potenziellen Geschäftsbereiche für das Gros der SHK-Betriebe nicht mehr aus eigener Kraft möglich.
Das bedeutet, dass insbesondere kleine und mittlere Betriebe ohne Spezialisierung und Kooperation mit anderen Kollegen oder Gewerken das enorme Spektrum nicht mehr professionell abdecken können und letztlich nur noch Großbetriebe in der Lage sein werden, für sämtliche Bereiche eigene Spezialisten vorzuhalten.
Die Vergabe von Teilleistungen an Kollegen und die Kooperation mit anderen Betrieben sowie der zwischenbetriebliche Personalaustausch werden daher insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Betrieben an der Tagesordnung sein.
Fazit
- Insbesondere die Digitalisierung, aber auch die Konsequenzen aus den aktuellen klimapolitischen Weichenstellungen werden in den kommenden 25 Jahren massive Auswirkungen auf die SHK-Branche haben.
- Diese Veränderungen werden den Wettbewerb mit anderen Branchen (z. B. Elektro oder Kälte/Klima) deutlich verschärfen und das notwendige Qualifikationsspektrum der Betriebe massiv ausweiten.
- Es ist davon auszugehen, dass traditionell bestehende gewerksspezifische Abgrenzungsmerkmale zunehmend ineinanderfließen werden.
- Die Aus- und Weiterbildung (intern / extern) sowie die betriebliche Personalentwicklung muss diesen Entwicklungen zwingend Rechnung tragen.
- Insbesondere im Energiebereich, aber auch im Sanitär- und Klimasektor, werden vielzählige Produktinnovationen am Markt sein und sich daraus völlig neue Dienstleistungen entwickeln.
- Ohne die aktive Erschließung neuer digitaler Geschäftsfelder wird es für viele Betriebe langfristig um das existenzielle Überleben gehen.
- Ohne Kooperationen wird es für den „Durchschnittsbetrieb“ nicht mehr möglich sein, das gesamte SHK-Spektrum professionell abzudecken.
- Spezialisierung wird für viele Betriebe ein potenzieller Schlüssel zum strategischen Erfolg sein.
- Für SHK-Betriebsinhaber gilt es deshalb, die aktuellen und künftigen Entwicklungen des Marktes sowie des Marktumfeldes und der Politik genau zu beobachten, die damit verbundenen Herausforderungen anzunehmen und die für den Betrieb sinnvollen Chancenpotentiale konsequent zu nutzen.
- Unabhängig von allen Unwägbarkeiten hinsichtlich der potenziellen Trendentwicklungen in der SHK-Branche oder deren Eintrittswahrscheinlichkeit, kann in jedem Fall festgehalten werden: Gerade in konjunkturell guten Zeiten gilt es die Weichen für eine erfolgreiche Unternehmenszukunft zu stellen und sich heute intensiv mit dem morgen zu beschäftigen.
Wer die sich bietenden vielfältigen Chancenpotentiale für seinen Betrieb erkennt, bewertet und passgenau nutzt, kann mit Optimismus und Elan in die Zukunft blicken.
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