„Die Zukunft im Blick – Digitalisierung als Chance nutzen!“
75 Jahre erfolgreicher Arbeit im Dienst der baden-württembergischen Innungen des SHK-Handwerks ist eine Zeitspanne, die man zurecht feiern kann und zu der wir seitens des ZVSHK gerne gratulieren. Denn dies sind auch 75 Jahre engagiertes Miteinander von Zentralverband und Fachverband, geprägt von vielen Herausforderungen im Wandel der Zeit. In der sicheren Erkenntnis „Nichts bleibt auf Dauer wie es ist“, wurde und wird bis heute im Interesse der vertretenen Handwerke erfolgreich Zukunft gestaltet.
Anlässlich des Verbandsjubiläums fand im Herbst 2022 die Mitgliederversammlung des ZVSHK in Stuttgart statt. Beim abendlichen Zusammensein ging es hoch hinaus auf den Stuttgarter Fernsehturm. Siebzig Jahre zuvor, im Jahr 1952, war ebenfalls in Stuttgart der erste Bundesverbandstag des Zentralverbands.
Als im März 1947 in Endersbach im Rems-Murr-Kreis der „Landesverband des Flaschner-, Installateur-, Zentralheizungsbauer- und Kupferschmiedehandwerks Württemberg-Baden e. V.“ und heutige Fachverband SHK Baden-Württemberg gegründet wurde, gab es auf der ganzen Welt nur einen einzigen elektronischen Computer, den amerikanischen Electronic Numerical Integrator and Computer (ENIAC). Er wog 27 Tonnen und nutzte Elektronenröhren und ermöglichte rund 5000 Rechenoperationen pro Sekunde.
Heutige Hochleistungsrechner schaffen mehr als eine Million „Teraflops“ pro Sekunde, wobei ein Teraflop einer Billion (1000 Milliarden) Rechenoperationen pro Sekunde entspricht. Wir reden von einer 1 mit 18 Nullen! Unsere Welt ist heute voll von elektronischen Chips und Bauteilen. Daten sind ihr Treibstoff. Deren sinnvolle Nutzung hat erheblichen Einfluss auf Geschäftsmodelle und berufliche Anforderungen.
Diese unumkehrbaren und nicht aufzuhaltenden Entwicklungen erfolgen immer sprunghafter, ungewisser und sind aufgrund zunehmender Dichte unterschiedlicher Informationen für den einzelnen Akteur auch schwieriger greifbar und einschätzbar als früher.
Offenheit für Neues und der Austausch in einer Verbandsorganisation, die für ihre Betriebe strategisch mitdenkt, passende Informationen und Dienstleistungen anbietet, aber auch Hintergrundarbeit leistet für passende gesetzliche, technische Rahmenbedingungen und Normenstandards, werden in der heutigen Zeit immer wichtiger.
Digitale Agenda der Verbandsorganisation
Es ist eine der satzungsgemäßen Aufgaben des ZVSHK für seine Mitglieder – 17 Fachverbänden, deren über 330 Innungen und 23.000 Innungsbetrieben – strategisch vorzudenken, insbesondere gute Ideen aus dem gesamten Mitgliederbereich aufzunehmen und daraus Angebote zum Nutzen aller in der Innungsgemeinschaft zu bilden. Der Fachverband SHK Baden-Württemberg und der ZVSHK arbeiten hier eng zusammen. Dies gilt in besonderer Weise für den digitalen Bereich.
Der ZVSHK verfolgt seit Jahren eine jeweils von allen seinen Mitgliedsverbänden fortgeschriebene „Digitale Agenda SHK“. Ziel dieser Agenda ist das frühzeitige Auseinandersetzen mit digitalen Trends, die Ableitung von Auswirkungen auf die SHK-Branche und Entwicklung von Angeboten zur Unterstützung der SHK-Innungsbetriebe im Rahmen ihrer primären und sekundären Aktivitäten der Wertschöpfungskette.
Von der Verbandsorganisation zu verfolgende bzw. zu entwickelnde digitale Standards, Services, Datenangebote und Schnittstellen werden in einem Expertenkreis des ZVSHK beraten und orientieren sich an der Vorstellung, wie wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle und betriebliche Prozesse von SHK-Betrieben künftig aussehen sollten, von der Werbung über kundenspezifische Beratung und Akquise, Projektplanung und anschließenden Montage bis hin zu Aftersales und Kundendienst und den kaufmännischen, buchhalterischen und personellen Verwaltungsprozessen.
Daten sind der Treibstoff – OPEN DATAPOOL
Ein Großteil vorgenannter Prozesse setzt einen Mindeststandard an Daten und Schnittstellen voraus. Der ZVSHK arbeitet deshalb seit Jahren gemeinsam mit Industrie und Handel an der Standardisierung von Datenqualität und Schnittstellen. Mittlerweile definiert die Branche in der Version 8.0 der Datenqualitätsrichtlinie Inhalte, die als gesetzter Standard für Datenlieferungen im SHK-Bereich einzuhalten sind.
Diese Daten werden dem Handwerk über verschiedene Wege zur Verfügung gestellt. Zum einen durch den Produkthersteller selbst, zum anderen aber auch über den Großhandel oder bestimmte Datenplattformen. Als inzwischen größte Recherche- und Verteilplattform hat sich der vom ZVSHK betriebene www.OPEN-DATAPOOL.de etabliert. Er ist das Datenportal für Fachbetriebe und unterstützt die Verteilung der Daten in die datenbasierten Prozesse und Softwareprogramme im SHK-Handwerk.
Ihm vorgeschaltet ist ein ebenfalls digitaler „Open Datacheck“ als Qualitätsprüfung für die Daten. Mehr als 400 für das SHK Handwerk relevante Hersteller – darunter auch Hersteller, die ihren Produktabsatz nicht über den Großhandel organisieren (Zweistufler) – beteiligen sich und stellen ihre Daten zur Verfügung. Sie liefern Stammdaten von weit über 4 Mio. Produkten.
Eine vertiefte Recherche über ETIM-Klassen, Waren- und Produktgruppen bis in die einzelnen Attribute (Material, Maße, Montageanleitungen, Bilder etc.) hinein erleichtert die Auftragsbearbeitung. Suchergebnisse können in Merklisten gespeichert und per „IDS 2.5“ in die kaufmännische Software übertragen oder Bestellportalen zugeleitet werden.
Vorstand und Geschäftsführung des ZVSHK beim Besuch der Baustelle Stuttgart 21 anlässlich der Vorstandssitzung in Stuttgart im Oktober 2021
Werbung / Akquise – Digitale Kundenansprache bis hin zur Beratung – SHK Serviceportal
„Womit wird aktuell geheizt? – Wie soll künftig geheizt werden? – Wo befindet sich die Heizungsanlage? – Wie verläuft die Abgasführung? – Wie groß ist die zu beheizende Fläche? – Welches Niveau hat der Wärmeschutz des Gebäudes? – Wie viele Personen leben im Haushalt? – Wie erfolgt die Wärmeabgabe? – Besteht Interesse an einer Fördermittelprüfung? – Möchten Sie Fotos und Dokumente hochladen? – Wann möchten Sie einen Rückruf erhalten? …“
Digitale Abfragestrecken für alle SHK-Geschäftsbereiche von der Badsanierung, Trinkwasserinstallation, Regenwassernutzung über Heizungsmodernisierung, Wartung, gesetzlich verpflichtende Prüfung (EnSiMiMaV), Pumpencheck bis hin zu Klimaanlagen, Wohnungslüftung, Luftfilterinstallationen, die jeder Innungsbetrieb kostenfrei nutzen und ohne großen Aufwand auf seiner eigenen Internetseite integrieren kann, ermöglichen eine detaillierte Aufnahme von Kundenwünschen durch den Kunden selbst.
Ein Verweis auf die digitale Eintragsmöglichkeit auf der eigenen Internetseite verkürzt die telefonische Bearbeitung von Anfragen im Betrieb erheblich. Das SHK Serviceportal ist heute bereits der größte digitale Marktplatz Deutschlands für Interessenten, die einen SHK-Handwerker suchen. Mit der dauerhaft kostenfreien Nutzungsmöglichkeit schützt die Verbandsorganisation ihre Innungsmitglieder zudem langfristig vor Drittanbietern, die rein kommerzielle Interessen verfolgen und ihnen Marge abgreifen. Die Anmeldung für Innungsbetriebe dauert nur 5 Minuten!
Digitalgestützte Beratung bis hin zur Planung
Nutzer des www.SERVICEPORTAL-SHK.de können im Rahmen der Kundenberatung zudem zusätzliche Angebote nutzen, wie den SHK-Förderprofi, der nach positiver digitaler Prüfung die komplette Antragstellung übernimmt und zudem eine Garantie ausspricht, so dass ein Bescheid des BAFA nicht mehr abgewartet werden muss.
Über die neue Schnittstelle IDS 2.5 besteht parallel die Möglichkeit aus dem OPEN-DATAPOOL neben den technischen Produktinformationen auch Multimediadaten der Produkte zu übertragen und diese zur Visualisierung im Rahmen der Kundenansprache vor Ort zu nutzen, beispielsweise bei Badprojekten mittels einem hierfür eingerichteten Badplandaten-Adapter.
Die integrale Fachplanung über die ZVPLAN SOFTWARE ermöglicht im Heizungsbereich mittels digitaler Datenübernahme die Berechnung typischer Ein- und Mehrfamilienhäuser und ist auch für den Neubau nutzbar. Die kostenlose ZVPLAN App ermöglichst darüber hinaus eine einfache Aufnahme des HeizungsCheck 2.1 + EnSimiMaV mit automatisierter Datenintegration in ZVPLAN. In der App findet man unter anderem die Vorlage für den erforderlichen Ergebnisbericht der Heizungsprüfung.
Zudem ist die Planungs-Applikation ZVPLAN zum Thema Heizungsprüfung ergänzt worden inklusive des Formblattes für den Nachweis. Die App enthält auch die Software zur Berechnung und Planung des hydraulischen Abgleiches, sowie die vereinfachte und umfängliche Heizlastberechnung.
Für die Zusammenarbeit mit dem Schornsteinfegerhandwerk kann der SHK-Betrieb seinem Kollegen eine „Black Edition“ empfehlen, die ebenfalls in den App Stores von Android und Apple kostenfrei heruntergeladen werden kann. Die integrierte Schnittstelle ermöglicht eine Weitergabe und Verarbeitung der Daten durch den Heizungsbauer.
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ZENTRALVERBAND SANITÄR HEIZUNG KLIMA (ZVSHK)
Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) ist die Standesorganisation, Wirtschaftsverband und Interessenvertretung der SHK-Handwerke in Deutschland. Der Fachverband engagiert sich seit vielen Jahren in Vorstand und allen wichtigen Gremien, Fachgruppen und Arbeitskreisen und gibt verlässlich Input für Stellungnahmen zu bundespolitischen Themen.
Digitale Material- und Werkzeugdisposition
Im Rahmen der Materialdisposition werden die Vorteile der neuen Standards OPEN MASTERDATA besonders deutlich: Handwerksbetriebe müssen Produktdaten nicht mehr als Gesamtsortiment in bestimmten zeitlichen Abständen laden und speichern, sondern können aus der Handwerkssoftware heraus nach Bedarf tagesaktuell die Produktdaten anfordern, die sie im Prozess gerade benötigen und direkt an Lieferantensysteme übergeben, um Preise und Verfügbarkeit bei seinen Großhandelshäusern abzufragen und in Echtzeit zurückgespielt zu bekommen.
Grundlage der Anfrage kann dabei das Rechercheergebnis aus Open Datapool sein. Der Vorteil: Open Datapool listet sortimentsneutral und nutzt dabei die gleiche Datenbasis, auf die auch der Großhandel zurückgreift – nur breiter! Damit ist sowohl im zwei- als auch dreistufigen Bereich gesichert, dass die Systeme die Anfrage verstehen und verarbeiten können.
Neben dem Material gibt es aber auch noch Werkzeug, das teilweise projekt- oder personenbezogen im Betrieb eingesetzt wird. Hier bietet die Verbandsorganisation mit ZVTOOL auch eine mobile, webbasierte Lösung der Werkzeug- und Geräteverwaltung mit Smartphone und NFC-Technologie (Android und iOS) an.
Rekrutierung Fachkräftenachwuchs digital!
Mit Unterstützung der Nachwuchskampagne www.zeitzustarten.de ist es der Verbandsorganisation in den letzten Jahren gelungen, den übergreifenden Trend rückläufiger Ausbildungsverhältnisse für unsere Handwerke zu drehen. Es gibt annähernd 14 Prozent mehr Azubis im SHK-Handwerk als noch vor 10 Jahren.
Die Kampagne holt die Jugendlichen dort ab, wo sie sind: In digitalen sozialen Netzwerken wie YouTube, Snapchat, TikTok – und deren Eltern auf Facebook oder Instagram. Dies übrigens mit hervorragender Performance: Im Jahr 2022 gab es fast 40 Millionen Ansichten der digitalen Kampagnenbausteine, davon knapp 800.000 im Bereich der Elternkampagne und fast 700.000 im Bereich der Lehrerkampagne.
Damit einher geht inzwischen auch eine spürbare Imageverbesserung der von uns vertretenen Handwerke in der Gesellschaft. Zur Unterstützung digitaler Rekrutierung des Fachkräftenachwuchses wird auf dem Serviceportal derzeit eine digitale Vermittlung eingerichtet, die Innungsbetriebe als Nutzer des Portals für sich verwenden können.
Smart Home – Fluch oder Segen?
Die Nutzbarkeit im Smart Home anfallender Daten wird zum Schlüssel für künftige Services werden. Wichtige Gerätedaten landen heute allerdings zumeist nur beim Hersteller. Hier setzt der ZVSHK aktuell an, denn ein Data Act der EU soll künftig regeln, welchen Zugang Hersteller auf die gespeicherten Daten von elektronischen Geräten gewähren müssen.
Das dazugehörige EU-Gesetz wird voraussichtlich Ende 2024 in Kraft treten und dann hoffentlich das nächste Geschäftsfeld bieten, das wir für Innungsbetriebe erschließen möchten: Über den Zugang zu Kundendaten können sowohl das Kerngeschäft im Aftersales (Kundendienst, Wartung) als auch sogenannte Kopplungsgeschäfte optimiert werden, denn man kann die Vorlieben seiner Kunden kennenlernen und ihnen auf sie persönlich zugeschnittene Angebote machen.
Fazit
Die SHK-Branche muss sich in Fragen der Digitalisierung betrieblicher Prozesse im Vergleich zu anderen Bereichen des Baus und Ausbaus nicht verstecken. Unsere Branche ist in der digitalen Entwicklung dem Bauhauptgewerbe mindestens 7 Jahre voraus.
Ein Grund, sich auszuruhen, ist dies jedoch nicht. Halten wir „Die Zukunft im Blick“: Es gibt weiterhin unglaublich viel zu tun – technologisch wie rechtlich –, denn in der Digitalisierung liegt für SHK-Betriebe ein wesentlicher Baustein für den künftigen Geschäftserfolg.

Autor
Michael Hilpert
Präsident
Zentralverband
Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)

Autor
Helmut Bramann
Hauptgeschäftsführer
Zentralverband
Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)

