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1. Januar 2022

Das Gebäude als System verstehen – Elektro und SHK rücken enger zusammen

Bild: Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH)

Strom aus eigener Photovoltaik-Anlage für elektrische Wärme- und Warmwasserbereitung mit hoher Eigenverbrauchsquote – das ist der Wunsch vieler Einfamilienhausbesitzer. Deshalb muss das Gebäude als System betrachtet werden und daher rücken die Gewerke Elektro und SHK enger zusammen.

Unter Leitung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann fand im Juni 2022 die Auftaktveranstaltung des Strategiedialogs bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen statt. Anhand der sehr von Architekten geprägten Fachreferate wurde schnell deutlich, dass es über die Gebäudehülle hinaus noch den gleichermaßen wichtigen, wie umfassenden Bereich der Gebäudetechnik gibt. Denn über die Nutzungsdauer eines Gebäudes hinweg betrachtet, bestehen vor allem durch den intelligenten Einsatz moderner Technik z.B. bei Heiz- oder Lichtenergie massive Einsparmöglichkeiten.

Auch im Hinblick auf innovative Lösungen bei der Planung und Realisierung von Bauprojekten, wie z.B. bei Building Information Modelling (BIM) bestehen große Potenziale. Hier wirken die Bau- und Ausbauhandwerke in agilen Arbeitsgruppen aktiv mit, um die genannten Ziele zu erreichen.

Energiewende – Wärmewende – Verkehrswende – Energiemanagement und alles auf einmal: die Handwerke aus der Gebäudetechnik stecken mittendrin.

Daher sind qualifizierte Fachkräfte vor allem in den Bereichen Elektro und SHK erforderlich, um die immer komplexer werdenden Lösungen in enger Abstimmung mit dem Kunden umzusetzen. Schließlich wollen Kunden einen möglichst hohen Grad an Autarkie in ihrer Stromversorgung bzw. der Wärmebereitung erreichen. In jedem Falle wollen sie möglichst viel von dem auf dem eigenen Dach erzeugten Strom selbst nutzen.

Unter qualifizierten Fachkräften verstehen die beiden Fachverbände Elektro und SHK jedoch keine in wenigen Wochen angelernten Helfer. Denn weit über 80 Prozent der Aufträge, zu denen unsere Betriebe gerufen werden, sind Bestandsanlagen bzw. Bestandsgebäude mit ganz eigenen Herausforderungen. Die Sichtung und Beurteilung einer bestehenden Elektroanlage erfordert eine adäquate Qualifizierung der Beschäftigten z.B. in Sachen Normung bzw. DIN VDE-Vorgaben und auch idealerweise einen jahrelangen Erfahrungsschatz. Das kann nicht ersatzweise in 3- oder 6-Monatskursen, sogenannten „Bootcamps“, vermittelt werden.

Eine fundierte Ausbildung ist daher unerlässlich. Die E-Handwerksunternehmen in „The Länd“ haben daher in den letzten 7 Jahren auch die Zahl der E-ZUBIs jährlich um zwischenzeitlich mehr als 25 Prozent gesteigert. Zum letzten Jahreswechsel befanden sich rund 5.500 auf dem Weg zu ihrem Facharbeiterbrief. Im SHK-Bereich zeigt der Trend an Auszubildenden ebenfalls seit Jahren steil nach oben. Über 5.000 Auszubildende lernen die Installation von modernen Heizungen, Sanitäranlagen, Lüftungsanlagen und noch vieles mehr. Trotz der tollen Entwicklung haben die beiden führenden Ausbauhandwerke eines gemeinsam. Aufgrund der hohen Nachfrage an Gebäudetechnik benötigen sie zusätzliche Bewerber. Sie appellieren daher nicht zuletzt an die Vertreter und Vertreterinnen der Bewegung „Fridays for Future“: Lieber installieren als demonstrieren!

Beschäftigungsaufbau im E-Handwerk

In Baden-Württemberg haben die E-Handwerks- und SHK-Unternehmen stets flexibel auf neue Geschäftsfelder reagiert und über die letzten 10 Jahre hinweg kontinuierlich Personal aufgebaut – gegen den demographischen Trend. Rund 110.000 Beschäftigte zeugen von einer großen Leistungsfähigkeit der Gebäudetechnikhandwerke.

Im Jahr 2022 fand die 22. gemeinsame Geschäftsführer-Informationsveranstaltung der beiden Fachverbände SHK und Elektro statt. An zwei Tagen erhalten die Geschäftsführungen der Innungen immer ein intensives Input der Verbände. Bei einem gemeinsamen Abendprogramm wie hier beim Gasometer in Pforzheim 2019 steht auch der persönliche Austausch auf dem Programm.

Gemeinsame Interessenvertretung im Land, in Berlin und auch in Brüssel: Die Spitzen der beiden Fachverbände Elektro (links) und SHK (rechts) im Europaparlament: Hauptgeschäftsführer Andreas Bek, Präsident Thomas Bürkle, Vorsitzender Joachim Butz, Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker.

Gemeinsam stark beim Austausch mit den Landtagsfraktionen: die Vertreter des Elektro- und SHK-Handwerks

Arbeitskräfte auch aus dem Ausland

Und dennoch reichen die Fachkräfte nicht aus, um die hohe Nachfrage infolge der politischen Entscheidungen nach qualifizierter handwerklicher Arbeit zu befriedigen. Und diese gibt es nicht in ausreichender Zahl in Deutschland, wie uns unsere Mitgliedsunternehmen immer wieder berichten. Daher hatte der Fachverband Elektro ein Pilot-Projekt gestartet, über das Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben und – auch in sprachlicher Hinsicht – qualifiziert werden, sodass die Unternehmen diese direkt einsetzen können. Das ist vor allem auch im Hinblick auf den Arbeitsschutz wichtig, denn schließlich handelt es sich beim Strom um einen gefahrengeneigten Energieträger, der besondere Sorgfalt erfordert.

Energiedialoge

Um die vielgerühmte Energiewende praktisch in möglichst kurzer Zeit zu schaffen, müssen alle Potenziale ausgeschöpft werden. Hier setzt ein Projekt an, das der Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit anderen Verbänden aus dem Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk, dem Dachdeckerhandwerk und dem Zimmererhandwerk über die Kreishandwerkerschaften und die örtlichen Netzbetreiber sowie den politischen Vertretern aus Kommune, Kreistag und Landtag gemeinsam angeschoben hat.

Ziel ist es, den Dialog der genannten Akteure vor Ort zu starten und dauerhaft zu institutionalisieren. Denn nur durch einen intensiven Informationsaustausch und die Abstimmung vor Ort kann es gelingen, „Sand im Getriebe“ bei der praktischen Umsetzung zu vermeiden und auch die Wertschöpfung in der Region zu halten, wovon nicht zuletzt auch die Kommunen profitieren. Dabei werden auch Kooperationen auf betrieblicher Ebene – innerhalb der Gewerke und gewerkeübergreifend – angeregt und gefördert. Rund zwanzig solcher Veranstaltungen wurden – gefördert vom Umweltministerium Baden-Württemberg – im Jahr 2022 mit großem Erfolg durchgeführt – trotz aktuell noch guter Auslastung der Bau- und Ausbaubetriebe.

Ein Erfolg der Energiedialoge ist auch deshalb aus Sicht der Fachverbände wichtig, damit Deregulierungstendenzen der Politik, die meist von der EU initiiert an Deutschland herangetragen werden, im Keim erstickt werden. Ansonsten droht der Meisterbrief auf dem Altar der Energiepolitik geopfert zu werden. Das wäre fatal: Die bewährten Strukturen nicht nur im E-Handwerk, wie z.B. die duale, praxisnahe Ausbildung ebenso wie die Meisterqualifikation, stellen seit vielen Jahrzenten sicher, dass es auch fernab von Ballungsräumen und Industrieansammlungen attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze gibt.

Zusammenrücken innerhalb der Gebäudetechnik unerlässlich

Nun sind beide Handwerke auch gemeinsam bei der Umsetzung des von der Politik geforderten Wärmepumpenhochlaufs mit sechs Millionen Wärmepumpen bis zum Jahr 2030 gefordert. Denn sowohl die Planung und der Anschluss an die Heizungsanlage als auch der Anschluss an das Stromnetz benötigen eine hohe Fachkompetenz im jeweiligen Bereich. Das hat auch die Fachmesse für Elektro, Energie, Gebäude und Industrie eltefa im Frühjahr 2023 aufgegriffen, bei der unter dem Titel das „Allelektrische Gebäude“ neben den Fokussierungen auf Photovoltaikanlagen und die Landesinfrastruktur für E-Mobile auch die elektrische Wärmebereitung und Wärmepumpen im Mittelpunkt standen – mit Beteiligung des Fachverbandes SHK im Vortragsprogramm.

All‘ diese Marktentwicklungen zeigen eindrucksvoll: Die Gebäudetechnik wächst zusammen. Die Betriebe arbeiten in enger Abstimmung miteinander zum Wohle des Kunden – auch die Fachverbände sind gefordert. Gilt es doch im engen Schulterschluss idealerweise aus einer Hand die Interessen der Mitgliedsunternehmen in der Haus- und Gebäudetechnik mit einer Stimme gegenüber Herstellern, Handelspartnern, Handelsvertretern und allen weiteren Marktpartnern sowie gegenüber der Politik zu vertreten. Daher ist eine noch engere Kooperation der beiden Fachverbände Elektro und SHK Baden-Württemberg die logische Konsequenz für eine erfolgreiche Zukunft.

Autor
Thomas Bürkle
Präsident des Fachverbands
Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg

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