Verbandstag mit Fachtagung zur Transformation im SHK-Handwerk
Morgen noch genauso erfolgreich zu sein wie heute. Dies ist das Ziel eines jeden Unternehmens. Doch das ist gar nicht so leicht, gilt es dabei stets, sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Und die ändern sich derzeit rasant. Grund genug für den Fachverband, beim Verbandstag im Rahmen einer Fachtagung diese Transformationsprozesse zu analysieren und für die SHK-Unternehmen Handlungsoptionen aufzuzeigen.
Prof. Dr. Stephan Friedrich von den Eichen widmete sich zum Auftakt dem Aspekt der Digitalisierung – einem Begriff, der inflationär verwendet wird und unter dem jeder etwas anderes versteht. Leider auch ein Begriff, an dem sich viele satt gehört haben oder an der Durchführung an sich bereits gescheitert sind. Häufig werde der Bedarf entweder vom Unternehmer nicht erkannt , dieser sehe womöglich nur die Risiken oder widme sich der Sache nicht mit der erforderlichen Zeit, so der Experte. Der BWL-Honorarprofessor nannte Erfolgsfaktoren und betonte, es sei wie beim Fußball: „Es entscheidet sich alles auf dem Platz!“ Es gelte, das Team mitzunehmen.
Abschied von Öl und Gas – alle Kraft in die Wärmepumpe
65 Prozent EE: wie im Neubau erreichen, wie im Bestand?
Während bei dem Vortrag zur Digitalisierung die Übertragung auf die Situation im eigenen SHK-Betrieb jeder Teilnehmer noch selbst gedanklich leisten musste, wurden die Folgen für das SHK-Handwerk von dem, was Prof. Dr. Bert Oschatz anschließend aufzeigte, sehr schnell deutlich. Der Experte vom ITG Dresden analysierte, was sich in der Wärmeversorgung von Gebäuden ändern muss, um die klima- und energiepolitischen Ziele zu erreichen. Ausgehend vom Status quo der jetzigen Beheizungsstruktur, der Versorgungskonzepte und der Energieträger und Wärmeerzeuger im Bestand erläuterte er, wie sich dies zeitnah entwickeln wird. Dabei berücksichtigte er bereits die „65-Prozent-EE-Regel“, also die Vorgabe gemäß Klimaschutz-Sofortprogramm, dass bereits bis zum Jahr 2024 jede neu eingebaute Heizung auf der Basis von 65 Prozent erneuerbare Energien betrieben werden muss.
Die zentrale energie- und klimapolitische Weichenstellungen werde in Richtung Wärmepumpen, Photovoltaik und Wärmenetze gehen. Während es im Neubau anlagentechnisch relativ unkritisch werde, da der Wärmepumpeneinsatz relativ einfach ist und Nahwärme häufig möglich, werde der Bestand die große Herausforderung. „Technische Lösungen sind verfügbar, aber die Investitionen werden deutlich steigen und die Energiekosten vergleichsweise kaum sinken.“
„Ein Angebot muss mehr sein als eine Preisabgabe“
Wie die SHK-Fachschiene zwischen Tradition und Disruption steckt, das zeigte anschließend gewohnt provokant Unternehmensberater Arno Kloep auf. Angesichts des Engpasses an Montagekapazitäten werde es dazu kommen, dass die alte Fachschiene von einer neuen abgelöst werde. Branchenexternen Lösungen erteilte Kloep dabei ein klares „Nein“! Stattdessen riet er zu brancheninternen Hebeln, um an den „Engpass Fachkräfte“ anzusetzen. Dies seien:
- Digitalisierung (in Prozessketten)
- Vorintegrierte Produkte (z.B. bei Wärmepumpen ein vollautomatischer hydraulischer Abgleich)
- Feldservice (z.B. durch „Abriss-Kolonnen“)
- Neue Werkzeuge (z.B. Exoskelette, AR-Brillen)
Kloep riet den Unternehmern, Angebote nicht durch Digitalisierung „beliebig“ zu machen. „Ein richtiges Angebot ist eine Abgrenzung gegenüber relevanten Wettbewerbern. Seien Sie nicht schneller, sondern bunter, kreativer, individueller. Grenzen Sie sich ab von Schnellschraubern!“ Ziel sei es, im Kopf des Kunden die Nummer Eins zu sein. Angesprochen auf die aktuelle Nachfrage-Flut, empfahl Kloep, sich auf bestimmte Auftragsarten und Kundentypen zu spezialisieren.
Nicht nur die Themen Spezialisierung und Kooperation wurden in der anschließenden, von SBZ-Chefredakteur Dennis Jäger (3. v.r.) moderierten Diskussionsrunde angesprochen, sondern auch das Thema Daten und wer zukünftig über diese verfügt. Alle Experten empfahlen den Handwerksunternehmern, nicht zu reagieren, sondern zu agieren, eigene Ideen zu denken und nicht erst zu handeln, wenn eine “Bedrohung” sichtbar wäre. Fachverband-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker (3. v.l.) schloss die Diskussion damit ab, dass die erlebte Fachtagung ja genau diesen Gedanken verfolge: mithilfe von Expertenwissen zu zeigen, in welche Richtung es gehen wird, so dass jeder Unternehmer selbst analysieren kann, welche Konsequenzen er daraus für sich und sein Unternehmen ziehen muss.

