Obermeister tagen in Ludwigsburg
Eine Vielzahl von Themen von der Umbenennung des Klempners, über Ausbildungsthemen bis hin zur neuen Verunsicherung auf dem Heizungsmarkt bestimmten die Obermeisterversammlung am 18. und 19. November in Ludwigsburg. 38 Spitzenvertreter der Innungen und deren Stellvertreter waren der Einladung des Fachverbands Sanitär Heizung Klima Baden-Württemberg (FVSHKBW) gefolgt.
Das aktuelle Thema sprach der Verbandsvorsitzende Stefan Menrath gleich in seiner Begrüßung an: Das Ende der Koalitionsregierung auf Bundesebene und die damit eingetretene erneute Verunsicherung am Heizungsmarkt. „Das eigentliche Problem ist, dass wir in vielen Bereichen nicht auf die rauen Zeiten vorbereitet sind. Oft haben wir kein Erkenntnisproblem, sind aber nicht in der Lage, die notwenigen Veränderungen kollektiv anzugehen.“, sagte Menrath.
Zwar ist die Förderung von Heizungsmodernisierungen durch die KfW-Bank vorerst gesichert. Aber mit CDU/CSU, FDP und BSW haben bereits mehrere Parteien angekündigt, das Gebäudeenergiegesetz und die BEG-Förderung abzuschaffen, wenn sie die Wahl gewinnen.
Der CDU-Politiker Jens Spahn kündige in jedem Mikrofon die Abschaffung des Heizungsgesetzes an. „Unser Ziel muss sein, aus der Lage das Beste zu machen“, so Menrath. Deshalb habe der Fachverband seine Kommunikation angepasst und rate nun öffentlich dazu, sich so rasch wie möglich die Förderung zu sichern. Anschließend hat man drei Jahre Zeit, die neue Heizung einzubauen. „Unser Ziel ist es, Angst abzubauen und ein Auftragspolster zu schaffen“, sagte Menrath. Als Hauptgeschäftsführer Wolfgang Becker fragte, „wer denkt, dass der Markt verunsichert ist?“, gingen dementsprechend fast alle Hände hoch.
Markt wird sich dauerhaft ändern
Hauptgeschäftsführer Becker betonte, dass man auch aktiv gegen das Warten auf Wärmepläne kommunizieren müsse. Der Referatsleiter Technik Jörg Knapp wies darauf hin, dass eine Abschaffung des GEG eigentlich gar nicht möglich sei, da dieses europäische Vorgaben umsetze. Und diese seien gerade erst wieder verschärft worden, ab 2030 werde das Nullenergiehaus im Neubau zum Standard.
Für den Markt bedeute dies, dass man bei Öl und Gas keine Konkurrenz mehr fürchten müsse, weil diese Brennstoffe größtenteils auslaufen und Wasserstoff absehbar keine Alternative darstelle. Biomasse bleibe eine Nische, gleich, ob mit gasförmigen oder festen Brennstoffen. „Das Massengeschäft wird nicht im Holz sein, sondern im Strom, sprich bei der Wärmepumpe“, so Knapp. Bei der Wärmepumpe gebe es sehr große Konkurrenz unter anderem vom E-Handwerk, Energieversorgern und neuen Anbietern. Hinzu komme die Fernwärme, die auf Drängen der Politik einen großen Teil des Heizungsmarkes übernehmen soll. Knapp riet dazu, sich auf eine ganzheitliche Beratung einzustellen, zu der künftig auch Aspekte wie Photovoltaik, Home Energy Management Systeme oder E-Verteiler gehören, um Wärmepumpen und andere Geräte optimal zu betreiben.
Becker fasste die strategische Positionierung des Verbandes und seiner Mitglieder deutlich zusammen. „In vielen Bereichen geht es um die Frage einer zentralen oder individuellen Wärmeversorgung, also verkürzt um die Frage Fernwärme oder Wärmepumpe“. Kommunen und Energieversorger versuchten mit allen Mitteln die zentrale Wärmeversorgung zu stärken, beispielsweise in dem sie mit Wärmeplänen Politik zugunsten der zentralen Wärmeversorgung machen und dann auch noch die Bürger aufrufen, mit dem Einbau von Wärmepumpen zu warten. „Niemand sollte mit dem Einbau einer Wärmepumpe auf den Wärmeplan warten“, so der Hauptgeschäftsführer. „Sie sollten Wärmepumpen überall einbauen, wo es für das Haus sinnvoll ist“. Entsprechend hatte der Fachverband sich auch aktiv bei der Woche der Wärmepumpe beteiligt. Diejenigen, die sich mit ihren Innungen beteiligt hatten, berichteten durchweg über positive Erfahrungen.
Licht und Schatten in der Ausbildung
Die aktuellen Ausbildungszahlen stellte der Referatsleiter Bildung Tobias Bühner vor: Der Klempnerberuf entwickelt sich positiv, OL und Behälter- und Apparatebau entwickelt sich eher negativ und die Landesfachklasse soll zukünftig erhalten werden. Beim Anlagenmechaniker blieben die Ausbildungszahlen gleich, was jedoch nicht besorgniserregend ist, da in den letzten Jahren ein enormer Zuwachs stattfand. Rund 80 Prozent der Azubis bestehen die Gesellenprüfungen, allerdings haben sich die vorzeitigen Auflösungen von Verträgen innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Aus ihren Bereichen schildern die Obermeister auch hier ein unterschiedliches Bild. Es zeigte sich aber, dass die Qualität der Azubis insgesamt zunehmend schwanke. In einer Workshop-Runde sammelten die Teilnehmer daher konkrete Ansätze, die Ausbildung und die Werbung um Azubis zu verbessern.
Klempner wird zum Gestalter
Neben der Heizung rückte der Fachverband bewusst die anderen Bereiche des SHK-Handwerks in den Mittelpunkt der OMV. In einer Workshop-Runde machten sich die Obermeister Gedanken dazu, wie man die Bereiche Sanitär, Klima/Lüftung, Klempnerei und Ofenbau auch innerverbandlich stärken kann. Künftig sollen sie beispielsweise mit eigenen Tagesordnungspunkten bei der OMV vorkommen.
Zur Klempnerei verkündete Becker in diesem Zusammenhang, dass der Zentralverband SHK ein Verfahren angestoßen habe, um den Beruf in „Metalldach- und Fassadengestalter“ umzubenennen. Dies vereinfache die Kommunikation und vermeide in der Öffentlichkeit Verwechslungen mit dem Anlagenmechaniker SHK. Zudem sollen die Vorteile von Metalldächern stärker in den Vordergrund gerückt werden.
Die Silberne Ehrennadel des Verbands erhielt Sven Geiger. Er ist seit 2014 Obermeister der Innung Sanitär-Heizung-Klempner-Ofenbau Aalen.
Bei einer abendlichen Führung durch das Schloss Ludwigsburg und beim gemütlichen Beisammensein wurden die Themen des Tages in den Gesprächen weiterdiskutiert und Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Arbeit in der Innung ausgetauscht.

