Fachverband mit BWHT auf Delegationsreise in BrĂ¼ssel
Der European Green Deal, Digitalisierungsstrategien, KĂ¼nstliche Intelligenz und Datenwirtschaft sowie der dringend nötige BĂ¼rokratieabbau waren Themen einer zweitägigen Delegationsreise des BWHT-Beirates nach BrĂ¼ssel im Februar 2020. FĂ¼r das SHK-Handwerk mit dabei waren Fachverband-Vorsitzender Joachim Butz und HauptgeschäftsfĂ¼hrer Wolfgang Becker.
Erst im Dezember 2019 hatte Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, den “European Green Deal” als Kampf gegen den Klimawandel, vorgestellt. Das Konzept hat das Ziel, bis 2050 in der Europäischen Union die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden. Dies hat groĂŸe Auswirkungen – auch auf das SHK-Handwerk. Entsprechend wichtig war es, sich im Rahmen Delegationsreise Ă¼ber die ehrgeizigen Ziele aus erster Hand zu informieren und Einschätzungen Ă¼ber die Auswirkungen zu treffen.
Auch mit Strategien fĂ¼r Industrie und Mittelstand sowie einer Digitalstrategie will die Kommissionspräsidentin zur digitalen Aufholjagd “Made in Europe” im Bereich der Datenwirtschaft und der KĂ¼nstlichen Intelligenz ansetzen. Mehr als genug gute GrĂ¼nde fĂ¼r den Beirat des Baden-WĂ¼rttembergischen Handwerkstags (BWHT), das Gespräch mit Vertretern der EU-Kommission und des Europäischen Parlaments zu suchen, um die Interessen des Handwerks deutlich zu machen – bevor konkrete Gesetze und Regelungen, die möglicherweise mehr Belastungen bringen, verabschiedet sind.
ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer lieĂŸ es sich nicht nehmen, die Schwerpunkte des deutschen Handwerks vorzustellen und mit den Kollegen zu diskutieren. Eines der wichtigsten Themen war dabei die immer grĂ¶ĂŸer werdenden bĂ¼rokratische Belastungen der Handwerksbetriebe – ein Thema, das sich als roter Faden durch nahezu sämtliche Gespräche der beiden Tage in der belgischen Hauptstadt zog. Besonders die Entsenderichtlinie mit der schon berĂ¼chtigten A1-Bescheinigung sorgte fĂ¼r “Temperatur”. Gerade kleinere Handwerksbetriebe, die gelegentlich grenzĂ¼berschreitend arbeiten, können den bĂ¼rokratischen Aufwand schlicht nicht stemmen. Die Gesprächspartner, allen voran die baden-wĂ¼rttembergischen EU-Abgeordneten Andreas GlĂ¼ck (FDP), Andreas Schwab (CDU) und Anna Deparnay-Grunenberg (GrĂ¼ne), zeigten Verständnis und sagten zu, sich fĂ¼r Erleichterungen einzusetzen.
Technischer, aber nicht weniger bedeutsam ging es beim Vortrag von Stefan Otten zu, der in der EU-Kommission fĂ¼r die Daten- und Plattformwirtschaft zuständig ist. Besonders die Vertreter des KFZ-Gewerbes, des SHK- und des Elektrohandwerks konnten ihm ihrerseits wichtige Hinweise zu Einschränkungen liefern, die den Handwerksbetrieben drohen, wenn Hersteller und Plattformanbieter nicht zu einem fairen Datenzugang verpflichtet werden.
Bei Kristin Schreiber, in der EU-Kommission zuständig fĂ¼r den Binnenmarkt, ging es vor allem um die neue KMU-Strategie. Aus Sicht des Handwerks muss hier geregelt werden, dass kĂ¼nftig auch fĂ¼r kleine und mittlere Betriebe der Zugang zu geeigneten Finanzierungsformen gesichert ist, dass Förderprogramme beibehalten werden – und natĂ¼rlich bĂ¼rokratische Belastungen abgebaut werden. Die Handwerker machten deutlich, dass “Green Deal” und Energiewende nur mit dem Handwerk ein Erfolg werden könnten. Deshalb dĂ¼rfe es umgekehrt nicht mit unzumutbaren Belastungen bei Förderung und Finanzierung konfrontiert werden.
Highlight am Abend war ARD-Hörfunkkorrespondent Ralph Sina, der so eindrĂ¼cklich wie unterhaltsam schilderte, warum die Europäische Union zu einem neuen Verständnis ihrer Rolle in der Welt kommen mĂ¼sse.

