Der Aufwärtstrend ist eine Verpflichtung
Kommentar von Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mit 2.075 neuen Ausbildungsverträgen beim Anlagenmechaniker SHK zum 30. September 2026 liegt das SHK-Handwerk nicht nur elf Prozent über dem Vorjahreszeitraum, sondern bereits acht Prozent über dem Gesamtergebnis des Jahres 2025. Das ist ein bemerkenswerter Erfolg – und ein deutliches Signal, dass unser Handwerk als zukunftssichere Berufswahl wahrgenommen wird. Auch bei Klempnern und Ofen- und Luftheizungsbauern zeigt sich eine positive Entwicklung.
Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Betrieben, die Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, den Innungen vor Ort, die unermüdlich für unsere Berufe werben, und allen Akteuren, die sich mit großem Engagement für die berufliche Bildung einsetzen. Dieser Erfolg ist das Ergebnis Ihrer Arbeit.
Doch gerade jetzt dürfen wir nicht nachlassen. Im Gegenteil: Der Aufwärtstrend ist keine Auszeichnung, sondern eine Verpflichtung. Angesichts der demografischen Entwicklung geht es um jeden einzelnen jungen Menschen, den wir für unser Handwerk gewinnen. Jeder Kopf zählt, wenn wir den steigenden Bedarf an Fachkräften für die Energiewende, Wärmepumpen und moderne Gebäudetechnik weiterhin decken wollen.
Von der Quantität zur Qualität
Bei aller Freude über die Zahlen: Quantität ist nicht alles. Wir müssen verstärkt auf die Qualität achten – sowohl bei der Auswahl der Auszubildenden als auch bei der Ausbildung selbst. Eine sorgfältige Bewerberauswahl verhindert Ausbildungsabbrüche und sichert, dass motivierte junge Menschen mit dem richtigen Leistungsvermögen unseren anspruchsvollen Beruf erlernen.
Deshalb meine klare Botschaft: Wir müssen offensiver an den Gymnasien werben und den Zugang zu den Schulen selbstbewusst einfordern. Wir sind keine Bittsteller – wir haben jungen Menschen etwas Substanzielles zu bieten: einen technologisch innovativen Beruf mit hervorragenden Zukunftschancen. Während viele akademische Berufe durch Künstliche Intelligenz unter Druck geraten können, bleibt unser Handwerk unverzichtbar. Heizungsanlagen, Wärmepumpen, Trinkwassersysteme – das lässt sich nicht wegdigitalisieren.
Lehrkräfte und Ausstattung mitdenken
Der Erfolg bei den Ausbildungsverträgen verstärkt bestehende Engpässe: Unsere Berufsschulen sind voll. Der limitierende Faktor sind oft gut ausgebildete Berufsschullehrer. Wir brauchen dringend mehr Lehrkräfte, um die wachsende Zahl von Auszubildenden qualifiziert zu unterrichten. Hier ist die Landesregierung unmittelbar gefordert.
Die Ausstattung der Bildungsstätten wird besser – aber zu langsam. Weil sich die Technologie in unserem Handwerkt rasant entwickelt, muss die Politik zeitnah in moderne Lernumgebungen investieren.
Jetzt die Weichen richtig stellen
Die aktuellen Zahlen sind erfreulich. Aber sie sind kein Selbstläufer. Wir müssen die positive Dynamik nutzen, um gleichzeitig in die Qualität der Ausbildung zu investieren, selbstbewusster aufzutreten und die politischen Rahmenbedingungen zu verbessern. Nur so sichern wir langfristig die Fachkräfte, die unsere Betriebe und unsere Kunden brauchen. Der Aufwärtstrend verpflichtet uns – lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass er anhält!
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