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10. Juli 2026

SHK-Handwerk erzürnt über Heizungspolitik

(Stuttgart/Rust). Dass die Bundesregierung die Heizungsförderung vom einen auf den anderen Tag stoppt und neu ordnet, sorgt für massiven Ärger bei den Heizungsbetrieben in Baden-Württemberg. Gesteigert wird dies durch eine katastrophale politische Kommunikation beim neuen Heizungsgesetz. Das zeigt sich beim Verbandstag des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (FV SHK-BW), der am heutigen Freitag, 10. Juli, und morgigen Samstag, 11. Juli, im Europa-Park in Rust stattfindet.

Mit ihrem Handeln bringt die Bundesregierung derzeit das Sanitär-Heizung-Klima-Handwerk massiv gegen sich auf: Noch bis Montag verlautete aus Berlin, das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) werde in dieser Woche verabschiedet, das das derzeitige Heizungsgesetz (Gebäudeenergiegesetz, GEG) ersetzen soll. Damit werden die Regeln neu gefasst, welche Heizungsanlagen verbaut werden dürfen. Dann verlautete, der Beschluss werde auf September verschoben – nun wurde es am heutigen Freitag doch beschlossen. „Dieses Chaos zieht sich nun seit einem Jahr hin“, kritisiert Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer des FV SHK-BW. „Wir hoffen jetzt endlich auf einen langfristig gültigen Rahmen, um Kunden wieder verlässlich beraten zu können.“
Mehr noch: Anfang der Woche wurde bekannt, dass die Förderung für den Heizungstausch (Bundesförderung energieeffiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen, BEG-EM) kurzfristig geändert wird. Am Mittwochabend bereits beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestags die Änderungen, das Förderportal wurde direkt abgeschaltet – bis 21. Juli, heißt es derzeit. Noch ist unklar, welche Regeln künftig im Detail gelten. Dieses Verhalten bringt die Inhaber von Handwerksbetrieben auf die Palme. Das zeigt das folgende Stimmungsbild vom Verbandstag des FV SHK-BW in Rust:

„Mich ärgert an der schnellen Umstellung besonders die Unsicherheit rund um die BEG-Förderung. Wenn Förderbedingungen kurzfristig geändert werden oder ein möglicher Wegfall der Förderung im Raum steht, fehlt Eigentümern, Hausverwaltungen und Fachbetrieben die notwendige Planungssicherheit. Gerade wir als Handwerk brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, um Kunden fachgerecht beraten, Angebote seriös kalkulieren und Maßnahmen sauber umsetzen zu können. Ständige Änderungen führen zu zusätzlichem Aufwand, Verunsicherung und verzögern wichtige Investitionen in die Gebäudemodernisierung.“
Stefan Menrath
Geschäftsführer Morsch GmbH & Co KG
Plankstadt
Vorsitzender FV SHK-BW
Obermeister der SHK-Innung Heidelberg

„Die kurzfristige Kürzung der Heizungsförderung innerhalb von 48 Stunden kostet die Politik weiter Glaubwürdigkeit. Eigentümer und das SHK-Handwerk brauchen Planungssicherheit, keine Förderpolitik auf Zuruf. So bremst man die Wärmewende, statt sie voranzubringen.“
Bernd Fuller
Geschäftsführer Fuller GmbH
Karlsruhe
stellv. Vorsitzender FV SHK-BW

„Die kurzfristige Anpassung der Wärmepumpen-Förderung hat unsere Betriebe kalt erwischt: Ohne vorherige Information wurde die Antragstellung nach den bisherigen Konditionen innerhalb weniger Stunden eingestellt. Das darf sich nicht wiederholen. Wir fordern von der Bundesregierung verbindliche Übergangsfristen von mindestens mehreren Wochen bei jeder künftigen Förderänderung – alles andere ist auf dem Rücken der Kunden und Betriebe ausgetragen.“
Rainer Häfele
Geschäftsführer Häfele Haustechnik GmbH
Göppingen
Vorstand FV SHK-BW
Obermeister der SHK-Innung Göppingen

„Die kurzfristigen Änderungen der Förderkulisse zerstören das Vertrauen der Branche in die Politik nachhaltig. Kunden wie auch Betriebe benötigen dringend Planungssicherheit. Es muss endlich Schluss sein mit diesen ständigen Verunsicherungen!“
Benjamin Schaible
Geschäftsführer SFS Schaible GmbH
Ammerbuch-Poltringen
Vorstand FV SHK-BW
Obermeister der SHK-Innung Tübingen

„Die unangekündigte Abschaltung des KFW-Portals hat viele SHK-Fachbetriebe vor erhebliche Probleme gestellt und für große Verärgerung bei den Fachbetrieben und Verbrauchern gesorgt. Zwischen der notwendigen Auftragserteilung durch den Kunden und der Förderantragsstellung durch den Fachbetrieb liegen aus betrieblichen Gründen meist mehrere Tage. Mit der unabgestimmten Abschaltung des Portals bestand für die Fachbetriebe, die bereits den Kundenauftrag zur Heizungssanierung hatten, nicht mehr die Möglichkeit den Förderantrag bei der KFW zu stellen. Die Kunden machen nun den Handwerker verantwortlich, wenn dadurch erhebliche Fördergelder verloren gehen. Für solche Fälle muss von der Politik umgehend eine Übergangslösung gefunden werden, damit das Vertrauen in die Politik nicht noch weiter verloren geht. Der Ärger der Fachbetriebe schlägt derzeit massiv bei der Innung auf.“
Joachim Butz
Inhaber Butz Blechnerei und Installationstechnik
Obermeister SHK-Innung Pforzheim
Ehrenvorsitzender FV SHK-BW

„Ich habe es bis 23.30 Uhr probiert und kam nicht in das Förderportal hinein und dann wieder um 3.30 Uhr. Da war dann die Meldung, dass Wartungsarbeiten stattfinden bzw. das ich keinen gültigen Zugang habe. Die haben uns schlichtweg verarscht und das können wir uns nicht so gefallen lassen!“
Frank Bossert
Geschäftsführer Bossert Sanitär GmbH
Pforzheim

„Diese Willkür der Politik ist wirklich unglaublich – vor lauter Angst, es könnten noch zu viele Förderanträge kommen. Die würgen den Markt jetzt wieder völlig ab. Da erteilt ja jetzt erst mal keiner mehr einen Auftrag, bis das wieder klar ist.“
Ulrich Hammer
Geschäftsführer Willi Hammer GmbH
Pforzheim-Eutingen

„Es ist schon ein Armutszeugnis mit was für blindem Aktionismus in Berlin gehandelt wird. Vom Übergang von der BAFA zur KfW hat man es geschafft, dass nur Anlagen zur Förderung eingereicht werden, hinter denen auch ein Auftrag beim Handwerker steht. Warum wird nicht eine Senkung der Förderung kommuniziert, um Aufträge bei den Handwerkern zu generieren? Das wäre das richtige Signal, anstatt drei Wochen Stagnation, Unsicherheit, viele unnötige Telefonate und Frust zu hinterlassen. Seit Einführung von GEG und BEG sind wir mehr mit Änderungen von Gesetzen und Förderungen beschäftigt denn je.“
Benjamin Gaag
Geschäftsführer HTE GmbH
Engelsbrand

„Die aktuelle Heizungs- und Förderpolitik ist ein Schlag ins Gesicht des SHK-Handwerks. Kurzfristigkeit ist kein Versehen, sondern politisches Versagen. Das SHK-Handwerk ist kein kostenloser Reparaturbetrieb für politische Fehlentscheidungen. Die Politik verspielt das Vertrauen der Bürger. Förderungen sind keine Almosen. Unsere Betriebe investieren langfristig – die Politik denkt kurzfristig. Der Stellenwert des SHK-Handwerks muss sich endlich in politischen Entscheidungen zeigen.“
Alfred Keller
Geschäftsführer
Alfred Keller GmbH
Überlingen-Lippertsreute
stellv. Vorsitzender FV SHK-BW

Durch die kurzfristige Schließung des KFW Portals Heizungssanierung ohne Übergangsfrist werden den Handwerksbetrieben, die aktuell an Wärmepumpen-Aufträgen arbeiten, Probleme mit ihren Kunden aufgezwungen. Die Kunden fordern vom Handwerksbetrieb Schadenersatz, wenn das Angebot und die Bestätigung zum Antrag nicht rechtzeitig erstellt wurden. Wie soll ein Handwerker rechtzeitig die notwendigen Vorbereitungen treffen, wenn er noch nicht einmal eine Übergangsregelung gibt? Dies ist ein extrem wirtschaftsschädliches Verhalten und widerspricht jeglichem von ihnen bisher kommunizierten Ansprüchen, den Wirtschaftsstandort Deutschland fördern zu wollen.
Michael Pfütze
Geschäftsführer Pfütze GmbH
Lahr
Obermeister der SHK-Innung Kehl-Hanauerland-Lahr
Vorstand FV SHK-BW

„Die aktuelle GEG/GModG-Politik ist ein Skandal sondergleichen – ein Beispiel dafür, wie Politik willkürlich, intransparente und bürgerferne Entscheidungen trifft, die Millionen Haushalte in die Kostenfalle treiben. Statt klare Rahmenbedingungen für die Wärmewende zu schaffen, herrscht Chaos durch ständige Planänderungen, Verfassungsbeschwerden und Lobbyeinflüsse. Die Abschaffung der 65-Prozent-Regel zugunsten einer vagen „Bio-Treppe“ ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in die fossile Abhängigkeit – mit der Folge, dass Mieter und Eigentümer die Zeche zahlen. Die Politik agiert ohne Rücksicht auf soziale Folgen oder Klimaziele, während sie gleichzeitig die Verantwortung für steigende Heizkosten und Investitionsrisiken auf die Bürger abwälzt. Vermieter dürfen weiterhin Gasheizungen einbauen, doch die Kosten für Bio-Brennstoffe und CO₂-Preis tragen am Ende die Mieter – ohne Mitspracherecht. Das ist zynisch und undemokratisch. Wir brauchen verlässliche, sozial gerechte und klimakonforme Regelungen – nicht dieses politische Schaulaufen auf unserem Rücken. Die Branche und die Verbraucher verdienen Planungssicherheit, nicht Alibipolitik.“
Tobias Ben-Salah
Betriebsleiter Heizungsbau Tobias Ben-Salah
Schemmerhofen

„Wir im SHK-Handwerk stehen bereit, die Wärmewende umzusetzen. Die Technik funktioniert, unsere Betriebe haben investiert und unsere Mitarbeiter sind geschult. Was wir jetzt brauchen, ist Verlässlichkeit. Nicht nur kurzfristige Förderstopps sind ein Problem – sondern die ständig wechselnden Rahmenbedingungen. Wir können die Wärmewende nicht erfolgreich umsetzen, wenn sich Förderungen, Vorgaben und politische Ziele immer wieder verändern. Unsere Kunden treffen Entscheidungen für die nächsten 15 bis 20 Jahre. Dafür brauchen sie Vertrauen und Planungssicherheit. Gleiches gilt für unsere Betriebe, wenn wir investieren, ausbilden und Kapazitäten aufbauen sollen. Die aufgeheizte Debatte rund um die Wärmepumpe hat viele Menschen verunsichert. Dadurch ist unser Beratungsaufwand massiv gestiegen – Zeit, die am Ende bei der Umsetzung der Projekte fehlt. Die Wärmewende scheitert nicht am Handwerk und nicht an der Technik. Wir brauchen eine Politik mit Weitblick, die über Jahrzehnte denkt und handelt – nicht nur bis zur nächsten Wahl.“
Michael Hoppe
Inhaber Michael Hoppe Installateur- und Heizungsbaumeister
Baindt

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  • (b, vo)
  • Foto: Völpel/FVSHKBW
    Wolfgang Becker
    Funktion: Hauptgeschäftsführer
  • Daniel Völpel
    Funktion: Referent für Öffentlichkeitsarbeit

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