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10. August 2026

Heizungskunden warten nicht mehr auf die Politik

(Stuttgart). Im Heizungs- und Lüftungsbereich reichen die Aufträge der baden-württembergischen SHK-Betriebe derzeit 12,2 Wochen weit – vor einem halben Jahr waren es 8,1 Wochen. Auch Sanitär und Klempnerei (Metalldach- und Fassadentechnik) liegen über dem Vorjahresniveau. Weniger als zwei Prozent der Betriebe melden Kurzarbeit. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (FV SHK-BW), an der sich im Juli 221 Mitgliedsbetriebe beteiligten.

„Die Menschen sind inzwischen schlauer als die Politik“, sagt Wolfgang Becker, Hauptgeschäftsführer des FV SHK-BW. „Sie lassen sich nicht mehr kirre machen. Wer heute eine Heizung benötigt, entscheidet sich zunehmend unabhängig davon, was gerade in Berlin diskutiert wird – und das ist meistens die richtige Entscheidung: eine zukunftsfähige Heizung.“ In den meisten Gebäuden sei dies die Wärmepumpe, in Einzelfällen Biomasse.

Auch die Erwartungen hellen sich etwas auf: rund 17 Prozent (Vorjahr: 11 Prozent) der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften. Etwa 23 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Vom Niveau der Jahre vor Corona ist die Branche damit allerdings noch entfernt.

Die Politik bremst, nicht die Kunden

Deutlicher denn je benennen die Betriebe, was die Wärmewende ausbremst: 68 Prozent sehen im politischen Hin und Her das größte Risiko – im Vorjahr waren es knapp 64 Prozent. Mit weitem Abstand folgt die wirtschaftliche Lage der Kunden mit knapp 18 Prozent.

Bemerkenswert ist die Entwicklung an anderer Stelle: Grundsätzliche Vorbehalte der Kunden gegen neue Heiztechnik nennen nur noch 6,5 Prozent als größtes Risiko. Vor einem Jahr waren es fast doppelt so viele. „Die Wärmepumpe ist in den Häusern angekommen“, so Becker. „Der Streit darüber findet nur noch in der Politik statt, nicht mehr am Küchentisch.“

Auch beim Personal und beim Material sieht das Handwerk kein Kernproblem: Nicht einmal acht Prozent der Betriebe nennen einen Engpass bei Fachkräften als größtes Risiko, fehlende oder ungeeignete Produkte nannte kein einziger Betrieb. „Unsere Betriebe haben die Leute, sie haben das Material, und sie haben die Erfahrung. Wer jetzt beauftragt, bekommt seine Heizung zeitnah“, sagt Becker.

Förderstopp über Nacht: Schaden bei Betrieben und Kunden

Wie sehr politische Kurzschlusshandlungen den Betrieben schaden, zeigt die Umfrage am Beispiel des Förderstopps im Juli. Die Bundesregierung hatte die Heizungsförderung (BEG-EM) über Nacht ausgesetzt und neu geordnet. Das haben in unterschiedlicher Ausprägung rund 75 Prozent aller Betriebe gespürt. Fast 40 Prozent der Betriebe berichten von zahlreichen Anfragen verunsicherter Kunden, 38 Prozent von erheblichem zusätzlichem Beratungsaufwand. Rund 25 Prozent hatten weit fortgeschrittene Projekte, die davon erheblich betroffen waren. Konkret kann das bedeuten, dass Kunden, die noch unter den alten Förderbedingungen eine Heizung beauftragt hatten, nun eine um mehrere tausend Euro geringere Förderung erhalten. „Für unsere Betriebe war das ein Kraftakt, den niemand bezahlt“, sagt Becker. „Schlimmer trifft es aber die Kunden, die im Vertrauen auf die alte Förderung geplant und beauftragt hatten und nun zwischen den Stühlen sitzen. Für diese Fälle brauchen wir dringend eine Übergangslösung.“

Skepsis gegenüber der neuen Förderung

Wie sich die neue Förderkulisse auf die Nachfrage auswirkt, beurteilen die Betriebe zurückhaltend: gut 35 Prozent erwarten eine unveränderte Nachfrage, etwa 22 Prozent eine steigende, knapp 42 Prozent eine rückläufige. „Das ist Skepsis, keine Panik“, ordnet Becker ein. „Ein Teil der heute vollen Auftragsbücher stammt von Kunden, die sich vor der Umstellung noch die alten Konditionen sichern wollten. Diese Nachfrage fehlt uns später.“

Hätte es das neue Heizungsgesetz gebraucht? Die Betriebe sagen: nein

Ein weiteres Ergebnis spricht für sich: Hätten die Betriebe zwischen altem Gebäudeenergiegesetz (GEG) und neuem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) wählen können, hätten sich gut 56 Prozent für das alte Gebäudeenergiegesetz entschieden. Nur rund 19 Prozent bevorzugen das neue Gebäudemodernisierungsgesetz, knapp 25 Prozent halten beide für gleichwertig. „Für das Handwerk hätte es diese Reform nicht gebraucht“, sagt Becker. „Jetzt ist sie da – und jetzt muss sie halten. Die Politik hat sich das Gesetz für 2030 zur Evaluation vorgemerkt. Bis dahin sollte sie die Finger davonlassen. Jede neue Änderung oder Diskussion, egal ob im Bund oder im Land bringt nur weitere Verunsicherung, und damit weniger Klimaschutz“. Kritisch äußerte sich Becker auch zu einer Klage gegen das Gesetz vor dem Bundesverfassungsgericht. „Es ist das gute Recht, die Verfassungsmäßigkeit überprüfen zu lassen, aber wer das macht, macht das nicht für mehr Klimaschutz, sondern aus anderen Motiven“.

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  • (b, vo)
  • Foto: Völpel/FVSHKBW
    Wolfgang Becker
    Funktion: Hauptgeschäftsführer
  • Daniel Völpel
    Funktion: Referent für Öffentlichkeitsarbeit

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